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Protest für unser Mensateam

Vor wenigen Tagen, am Dienstag den 27.03. wurde mehr oder weniger spontan vor dem Bildungsdezernat eine Protestaktion abgehalten. Zu dieser wurde nur einen Tag vor dem Protest über Change.org aufgerufen, und obwohl die meisten Eltern wahrscheinlich arbeiten mussten, kamen Schüler und Eltern gleichermaßen, um für unser gutes Essen zu protestieren.

Mit Kochtöpfen und Spruchbändern kamen vermutlich über Hundert Schüler, Eltern und auch so mancher Lehrer zur Protestaktion, die innerhalb weniger Tage in intensiver Zusammenarbeit vieler vom Schulelternbeirat organisiert und von der Mutter zweier Kinder auf der Schule und Leiterin der Change.org Kampagne verkündet wurde. Sie war auch eine Antwort auf das Verhalten des Stadtschulamts, den neuen Caterer erst einen Tag vor den Ferien bekannt zu geben. Vielleicht eben um Proteste zu vermeiden ? Falls diese Spekulation hier erlaubt ist, es hat bei uns zum Glück nicht funktioniert.

Wobei wir bei der Frage wären, warum unser Mensateam eigentlich gewechselt werden soll. Kantinenbetreiber und viele andere Dienstleister für die Stadt werden alle paar Jahre gewechselt, es wird eine Ausschreibung gemacht. Man könnte also sagen, die Stadt, bzw. das für diesen Bereich zuständige Amt, pinnt einen Zettel mit dem gesuchten Dienst, Kriterien etc. an ein schwarzes Board, wartet, dass sich Intessenten melden und entscheidet nach Ablauf einer gewissen Zeit, wer das Angebot bekommt, anhand der genannten Kriterien. Über die Problematik dieses Systems könnte man einen eigenen Artikel schreiben. Da die Ämter oft mehr auf die Kosten, als auf die erbrachte Leistung, ordentliche Löhne und des weiteren schauen, haben kleinere Anbieter mit besser bezahlten Angstellten, besserer Qualität und damit höheren Kosten wenig bis gar keine Chancen.

Und genau das ist unserem eher kleineren, dafür aber gut, lecker und vorallem frisch kochenden Mensateam passiert. Im sogenannten Musterspeiseplan, den die Bewerber für die Qualitätsprüfung abgeben müssen, wurde ein kleiner Fehler begangen und in ein anderes Feld im Antragsformular hätte eine Emailadresse eingefügt werden müssen. Selbst wenn diese Fehler nicht gemacht worden wären, wäre unsere Schule möglicherweise an Sodexo gegangen. In den Kriterien an sich, die hier momentan noch auf einer Website mit allen Öffentlichen Ausschreibungen Deutschlands einsehbar sind (II.2.5), könnte unser Mensateam zwar vorne liegen. Leider sind geringere Kosten oft wichtiger als eine höhere Qualität. Und übrigens, hey, wir sind an die anderthalb Millionen Euro Wert. Kein Wunder also, dass man die anderen Kosten lieber gering halten würde, sonst wäre ja kein Geld mehr für solche Projekte da, die es so gerne in die Kategorie „Der reale Irrsinn“ von Extra3 schaffen.

Aber um zu einem weniger lustigen, sogar ziemlich ernsten Thema zurückzukehren. Wir werden durch diesen neuen Caterer vieles verlieren. Die Qualität unseres Essens wird sich wahrscheinlich drastisch verschlechtern. Während unser Essen bis jetzt meistens frisch in der Küche zubereitet wurde, wird es ab dem Sommer wie von einem so großen Catering Unternehmen in gigantischen Küchen zusammengemischt, gefroren an die Schul“küchen“ geliefert und dort in Combiöfen aufgewärmt. Also praktisch so, als würdet ihr Fertigprodukte für die Mikrowelle kaufen. Aber von der schlechten Sorte.
Einen Kasten, wie er momentan an der Wand in der Mensa hängt, an dem Ihr Vorschläge fürs Essen der nächsten Wochen einreichen könnt, wird es nicht mehr geben. Dieser wird uns mit dem Mensateam verlassen haben, zusammen mit all der Herzlichkeit und dem persöhnlichen Kontakt, den man zu ihnen hatte. Nun gibt es nur noch eine Mailadresse, die rein für Beschwerden zuständig ist. Und selbst wer nicht in der Mensa isst, wird indirekt betroffen sein. Unterstützung bei Projekten wie Changemaker oder dem Syrienprojekt wird es dann nicht mehr geben. Warum soll man Geld für etwas ausgeben, wenn man nichts materielles dafür zurückbekommt?

Und abgesehen von der Verschlechterung der Qualität des Essens ist ein Groß-Caterer wie Sodexo auch für mehrere teilweise schwerwiegende Lebensmittel-Skandale verantwortlich, oft in anderen Ländern, aber auch hier in Deutschland. Einmal schickten von Sodexo eingekaufte tiefgekühlte Erdbeeren viele Menschen mit schwerem Magen-Darm-Infekt ins Krankenbett. Die Entschädigung an die Kinder: ein Buchgutschein? An diesem Vorfall trägt Sodexo zwar keine direkte Schuld, aber man sollte eben auf seine Lieferanten achten. Andere Vorfälle sind aber umso schlimmer. In einer Küche in Berlin wurden zum Beispiel nicht ganz durchgebratene Hähnchenkeulen gefunden. Während ersteres jedem Caterer passieren kann, ist dieser Fall extremst fahrlässig und ist etwas, was mit frischen Küchen niemals passieren würde. Das kann nämlich, vorallem für kleinere Kinder, sehr gefährlich werden, da sich in rohem Hühnchen sogenannte „Salmonellen“ befinden können, ein Bakterium, welches auch sehr schwere Magen-Darm Probleme auslöst, die manchmal sogar im Krankenhaus behandelt werden müssen.

 

Die Protestaktion

 

 

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Bedenken, dass die Qualität dramatisch sinken könnte, haben auch viele Eltern und Schüler, die ihrer Sorge und dem Ärger, von der Stadt bei dieser für uns sehr wichtigen Frage komplett übergangen worden zu sein, lauthals Luft machen, wie ihr hier sehen – oder eher hören könnt. Ich muss dazu sagen, dass ich alle diese Bilder, Videos und Interviews in einer spotanen Welle der Begeisterung, einen Artikel zu schreiben, aufgenommen habe, und wenn irgendjemand jetzt sagt, ja das sieht man da{…}

Nicht wenige Eltern kennen selbst Kantinen unter der Leitung ähnlicher Caterer, die oft günstiger sind – dies aber auf Kosten der Qualität. „Diese günstigen Preise kommen natürlich irgendwoher und da kann man sich ziemlich sicher sein, dass das was an Vitaminen bei den Kindern noch ankommt, nicht mehr sehr viel ist.“ meint Rochus H., Vater von zwei Kindern, die die IGS besuchen. „Ich habe eigentlich nur immer von meinen Kindern gehört, von meinem Sohn Cosmo und meiner Tochter Franka, dass sie damit sehr zufrieden waren, und sich häufig positiv dazu geäußert haben. Was man da einfach merkt ist, wenn man da bei Aprilfrisch ist oder anderen Veranstaltungen, dass da in der Mensa einfach lebende Menschen sind, die sich für die Schule interessieren und sich auch mit der Schule identifizieren, die eine Gemeinschaft bilden und da gibt es so ein Wir-Gefühl. Das ist nicht wie bei irgendeinem Dienstleister, der Leute hinstellt, die ganz schlecht bezahlt sind und denen das Ganze egal ist.“ Bezüglich den Protestaktionen, die den Prozess aufhalten sollen, ist er nicht sonderlich zuversichtlich. Sodexo würde wahrscheinlich unaufhaltsam an unsere Schule kommen. Das bedeute aber nicht, dass der Protest aufhören muss. Er wäre aber wirklich gespannt, was passieren würde, wenn die Eltern jetzt ihre Kinder aus der Mensa abmelden würden und Sodexo durch Mangel an Profit ausgehungert würde, um unser Mensateam dann wieder zurückzuholen – wenn dann noch möglich. Andere Eltern wollen sich dem Boykott anschließen. Den Kindern könne man ja auch einfach etwas mitgeben!  Und die Kinder schließen sich an. Sie würden sich weigern, den unfreiwilligen Wechsel und das Unternehmen auch noch zu unterstützen. Sie sprechen ihre Antteilnahme aus, und hoffen, dass es doch noch eine Möglichkeit gibt, unser Mensateam nicht zu verlieren. „Ich finde unser Mensateam ist sehr persönlich. Es kennt fast jeden Schüler und jede Schülerin, es geht auch auf Einzelwünsche ein. Zum Beispiel wenn man eine Gluten Intoleranz hat, bekommt man extra Essen zubereitet ohne Gluten und das finde ich sehr gut.“ lobt Iris, eine Schülerin des neunten Jahrgangs. Sie ist sich aber auch über die geringe Chance bewusst, dass der Protest noch etwas bewirkt. „Wir können im Grunde nicht viel gegen den Vertrag ausrichten. Das Einzige, was wir tun können, ist Aufmerksamkeit erregen und eine Riesenwelle machen“.

Das hat auch funktioniert. Er mag nicht lang sein, trotz dessen wurde uns ein Beitrag in der Hessenschau gewidmet.

Und wie geht es jetzt erstmal mit Sandra Beimfohr und ihrem Team weiter? Sie lassen sich auch nicht unterkriegen. Am selben Tag hätte sie noch ein Gespräch mit einem Anwalt, um das Verfahren prüfen zu lassen, berichtete sie mir. „Es kann also sein, dass wir eine Chance haben, dass das Ganze neu ausgeschrieben wird. Das heißt, wir können dann nochmal an der Ausschreibung teilnehmen, die wir dann besser gestalten.“ Sie hofft aber auf jeden Fall hierbleiben zu können. Besonders gerne erinnere sie sich an Events, wo die Schüler und das Team zusammengearbeitet hätten. „Das Syrien Projekt das Flüchtlingscamp auf dem Schulhof, Changemaker war super, und dann gab es noch Wandern mit Flüchtlingen! Da habe ich die bekocht und habe ihnen das Frühstück gemacht. Da waren hundert Flüchtlinge bei uns und es haben auch ganz viele Schüler geholfen. Das fand ich echt großartig!“

Für sie sind Essen und Herz ganz nah beieinander. Und sie hofft, auch weiterhin so für uns kochen, mit uns an Events teilnehmen und von uns gelobt werden zu können.

 

~ Dash ~

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Ein Gedanke zu “Protest für unser Mensateam

  1. Andreas Vogt schreibt:

    so auf Change-org
    ergänzend zur Unterschrift – Kommentiert:

    Ein Hinweis…
    es gibt das rechtliche Gebot der Beteiligung – hier insbesondere, die von Kindern- und Jugendlichen in allen sie betrefenneden Angelegenheiten!!
    ZITAT:
    „Sozialgesetzbuch (SGB) – Achtes Buch (VIII) – Kinder- und Jugendhilfe – (Artikel 1 des Gesetzes v. 26. Juni 1990, BGBl. I S. 1163)
    § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
    (1) Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf ihre Rechte im Verwaltungsverfahren sowie im Verfahren vor dem Familiengericht und dem Verwaltungsgericht hinzuweisen.
    (2) Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden.
    (3) Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Beratung ohne Kenntnis des Personensorgeberechtigten, wenn die Beratung auf Grund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an den Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt würde. § 36 des Ersten Buches bleibt unberührt.“

    Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/ des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (Stand: 31.03.2018)

    Absatz 1 dieser Rechtsgrundlage bezieht sich zwar (formal) nicht unmittelbar auf den Schulbereich und dessen Rechtsgrundlagen – allerdings trifft Absatz 2 immer zu – also auch hierzu
    DENN die gesunde Ernährung ist ein wesentlicher Teil Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen – und der Fürsorge ihnen ggü..

    D.h. – selbst wenn die Auswahl des Schulversorgers an sich durch die Schule nicht unmittelbar mitentschieden werden kann – so hätten die Kinder- und Jugendlichen (und somit auch die inneren Schulinstanzen) an den Auswahlkriterien (zum Bespiel Angebot) mit einbezogen werden müssen!!

    soweit mal – auch zur unterstützenden Handlungsoption – noch vor dem 03.04. bzw. nach der rechtswirksam Entscheidung – im Wider-/ Einspruchsverfahren.
    hier wäre der erste Schritt – vor dem zuständigen Gericht eine einstweilige Verfügung einzureichen – gegen die Umsetzung dieser Entscheidung.

    und natürlich immer auch – von außen (politisch) Druck machen – Proteste sichtbar machen!!

    viel Erfolg – und auch weiterhin – und nicht entmutigen lassen!!

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